Vom 23. bis 26. Januar fanden im Lechtal (Kaisers) traditionell die Ausbildungstage für Skitourengeher statt. Der Kurs richtete sich an Anfänger und Fortgeschrittene, die sich über einen LVS-Kurs hinaus aus- und weiterbilden möchten. Die acht Teilnehmer der DAV-Sektion Allgäu-Immenstadt (Ortsgruppe Marktoberdorf) wurden – wie in den Vorjahren – von Markus Groß und Thomas Daufratshofer angeleitet.
Theorie und Praxis rund um das Edelweißhaus
Nach der Ankunft im Edelweißhaus stand am Freitagabend neben dem obligatorischen Kennenlernen ein erster Theorieblock an. Themen wie Tourenplanung, Ausrüstung, Lawinenkunde und richtiges Verhalten im Gelände bildeten die Grundlage für die kommenden Tage. Bevor der Abend gemütlich ausklang, wurde auch der Tierwelt in den Alpen sowie dem verantwortungsvollen Verhalten in der freien Natur Raum gegeben.
Der Samstag stand ganz im Zeichen der Praxis. Bei sonnigem Wetter teilte sich die Gruppe vor dem Edelweißhaus auf. Mit Markus Groß trainierte eine Gruppe intensiv die Lawinenverschüttetensuche: LVS-Geräte wurden versteckt, danach geortet und sondiert. Entscheidend für das Überleben sind hierbei die ersten 15 Minuten. Die dürftige Schneelage trug beim Ausgraben ihren Teil dazu bei.
Parallel dazu arbeitete die zweite Gruppe mit Thomas Daufratshofer an der Technik. Es ging mit Spitzkehren und der richtigen Tragetechnik bergauf und dann mit Fellen am Ski wieder bergab. So konnten die ein oder anderen Fehler, die sich über die Zeit eingeschliffene haben, korrigiert und in effiziente Aufstiegstechnik umgemünzt werden.
Rauf auf die Ski!
Mit Vorfreude wurde für den Sonntag eine Skitour in Richtung Hahnleskopf geplant. Aufgrund schlechter Sicht und eines wenig lohnenden Weges durch bewaldetes Gelände entschied man sich gegen das weitere Aufsteigen. Trotzdem perfekte Bedingungen, um die Spuranlage und Beurteilung des Geländes abzutesten. Die Situation wurde außerdem genutzt, um ein ausführliches Schneeprofil zu graben. Im Gegensatz zum Vortag war auf rund 2000 Meter nun ordentlich Schaufelarbeit gefragt. Die Schneeschichten wurden freigelegt, beurteilt und gemeinsam diskutiert.
Der letzte Abend wurde genutzt, um nochmals auf ein besonderes Lawinenunglück zurückzublicken. Im letzten Jahr wurde die Ausbildungsgruppe Zeuge eines Lawinenabgangs im Kaisertal, bei dem die Teilnehmer erfolgreich eingreifen und mit dem frisch gewonnenen Wissen einen Verschütteten retten konnten. Der Vorfall wurde im Lawinenupdate 25/26 von Michael Larcher aufgearbeitet und bildete nun ein eindrucksvolles Schulungsbeispiel, das rege analysiert und diskutiert wurde.
Abschlusstour ins Kaisertal
Die Abschlusstour führte ins Kaisertal in Richtung Kälberlahnzug und damit auch vorbei am besagten Unglücksort. Das Wetter hatte sich am Montag nicht wesentlich gebessert, sodass sich die Gruppe nach gründlicher Abwägung zum frühzeitigen Abbruch der Tour entschied. Mit den Bildern des letzten Jahres im Kopf war es den Teilnehmern sicherlich recht, dass der Tag weniger spektakulär endete.
Fazit
Nach dem außergewöhnlichen Verlauf der Ausbildungstage 2025 durfte dieses Jahr mit einem gewissen Schmunzeln festgestellt werden: keine Lawine, kein Ernstfall. Dafür standen Ausbildung, Diskussion und bewusste Entscheidungen im Vordergrund – und genau das wollte der Kurs auch erreichen.
Vor der Heimreise konnte nochmals reflektiert werden. Die Tourenleiter freuten sich über die hochmotivierte Truppe und die Teilnehmer gaben Lob und durchweg positives Feedback. Die Ausbildungstage zeigten erneut, dass Skitourengehen vor allem bedeutet, Bedingungen kritisch zu hinterfragen und im Zweifel rechtzeitig umzudrehen. Nun hoffen alle auf Neuschnee und eine erfolgreiche Tourensaison 25/26!