Gruppenbild während der Skitourentage im Matschertal  | © DAV Allgäu-Immenstadt

Gipfelträume & Lawinenlage im Matschertal

17.03.2026

Drei Tourentage zwischen Luxus, Lawinenlage und sicheren Alternativen 

Zehn Skitourenbegeisterte hatten sich bereits im Dezember zu den exklusiven Skitourentagen im Matschertal angemeldet, die von Markus Groß und Thomas Daufratshofer organisiert wurden. Exklusiv nicht nur wegen der zahlreichen, vielversprechenden Tourenmöglichkeiten, sondern auch wegen des luxuriösen Hotels am Ende des Tals: dem Glieshof, der als idealer Ausgangspunkt dienen sollte. Eine andere Unterkunft gibt es im gesamten Matschertal nicht. 
Wie so oft in den Bergen blieb jedoch ungewiss, welche Bedingungen uns tatsächlich erwarten würden. Während uns im Januar der fehlende Schnee Sorgen bereitete, war es im Februar der anhaltende und ergiebige Schneefall, der die Lawinengefahr massiv ansteigen ließ. Bei unserer Abreise hatte sich die Lage leider nicht entspannt. Damit war klar: Im Matschertal würden keine Skitouren möglich sein. Die Touren dort führen über steile Hänge, sind meist mit ZS – ziemlich schwierig bewertet und erfordern in der Regel mindestens 1.200 Höhenmeter bis zum Gipfel. 
 
Ankunft und erste Einschätzung der Lage 
Als wir am späten Nachmittag im Hotel ankamen, waren wir sofort begeistert von den modernen, großzügigen Zimmern. Einige nutzten noch vor dem Abendessen den Wellnessbereich für einen ersten Saunagang. Nach dem hervorragenden 5‑Gänge‑Menü setzten wir uns zur Tourenbesprechung zusammen. 
Ein Schweizer Bergführer, der mit einer anderen Gruppe im Hotel war, bestätigte unsere Bedenken. Er sprach von einer außergewöhnlich schlechten Lawinenlage, wie er sie in dieser Dauer noch nie erlebt hatte. Dabei unterstrich er auch nochmals unsere eigene Haltung, dass man sich nicht allein auf die Gefahrenstufe verlassen darf, sondern immer auch den Text des Lageberichts sorgfältig lesen muss. Dieser warnte vor einem ausgeprägten Altschneeproblem, frischem Triebschnee und einem Temperaturanstieg. Ein kurzer Handschneetest bestätigte die instabile Schneedecke eindrucksvoll. 
 
Tour auf den Monte Watles – trotz allem ein Highlight 
Schließlich entschieden wir uns für eine Pistentour auf den Monte Watles mit 2.557m / 850 HM. Das traumhafte Wetter und die beeindruckende Rundumsicht ließen den Wehmut über die ausgefallenen Touren schnell verfliegen. Besonders der majestätische König Ortler präsentierte sich in voller Schönheit. Gleichzeitig waren ringsum massive Lawinenabgänge zu beobachten – ganze Hänge waren abgegangen, was die angespannte Lage deutlich machte.  
Am Gipfel blies ein kräftiger Wind, sodass wir nicht lange verweilten. Die perfekt präparierte Piste bescherte uns dafür eine genussvolle Abfahrt. Eine Cappuccino-Pause in einer gemütlichen Hütte durfte natürlich nicht fehlen – auch wenn wir den Rat einer Teilnehmerin, die ihren Vater zitierte („Man darf keine Hütte auslassen“), an diesem Tag nicht vollständig befolgten. Zurück im Hotel erfreuten wir uns an dem tollen Pool und nutzten ausgiebig den schönen Wellnessbereich. 
 
Weiterhin heikle Lawinenlage – erneuter Monte Watles-Anstieg 
Die Lawinenlage blieb unverändert kritisch. Selbst bei einer Gefahrenstufe 3 wären die Touren im Matschertal tabu gewesen. Da wir keine langen Anfahrten wollten, entschieden wir uns erneut für den Monte Watles – diesmal auf der anderen Seite der Piste. 
 
Als Thomas – wohl gemerkt in der Ebene - kurz aus der Spur ging, um ein Foto zu machen, hörten wir plötzlich ein deutliches „Wumm-Geräusch“. Spätestens jetzt wussten alle, wie sich dieses anhört – und wie ernst es zu nehmen ist. 
Auf dem Rückweg gruben wir ein etwa zwei Meter tiefes Schneeprofil. Dabei wurde uns bewusst, wie anstrengend das ist – und wie instabil die Schneedecke tatsächlich war. Zwischen festeren Schichten fand sich immer wieder lockerer griesliger Schnee, die das Altschneeproblem klar bestätigten. 
 
Letzte Tour: Äußerer Nockenkopf im Rojental 
Für den letzten Tag wählten wir den Äußeren Nockenkopf mit 2.769m bzw. den darunter liegenden Sattel, die ‚Äußere Scharte mit 2.636m, im Rojental, der zudem auf dem Heimweg lag. Nach intensiver Recherche – unter anderem mit dem Skitourenguru, Rücksprache mit dem Bergführer und einem inzwischen auf Stufe 3 gesunkenen Lawinenlagebericht – erschien die Tour gut machbar. 
Bei strahlendem Sonnenschein stiegen wir Richtung Sattel unterhalb des Gipfels auf und hielten sowohl im Aufstieg als auch bei der Abfahrt konsequent Sicherheitsabstände ein. Am Sattel genossen wir im T‑Shirt die Aussicht und unsere Brotzeit. Auch hier waren zahlreiche Lawinenabgänge sichtbar. Kurz vor dem Parkplatz hatten sich inzwischen größere Grundlawinen aus dem Wald gelöst. Sie betrafen uns zwar nicht, schärften aber erneut unser Bewusstsein für die heikle Gesamtsituation. 
 
Ausklang und Fazit 
Bei Cappuccino, Spritz und Radler ließen wir die eindrucksvollen Tage auf der Sonnenterrasse eines Hotels oberhalb des Reschensees ausklingen – mit grandiosem Blick auf Ortler, Königsspitze und Cevedale. 
Die harmonische Stimmung in der Gruppe sowie die ruhige, kompetente und sicherheitsbewusste Art von Thomas und Markus machten die Skitourentage im Matschertal trotz der schwierigen Bedingungen zu einem unvergesslichen Erlebnis. 

Tourenleiter: Markus Groß, Thomas Daufratshofer 
Bericht: Monika Krieger