Die eigentlich eine Woche früher geplante Tour auf den Klassiker über dem Hahntennjoch, dem Muttekopf, musste wegen sehr unsicherer Wetterverhältnisse verschoben werden und da dann auch unklar war, wie weit man von Boden aus zu Fuß unterwegs sein müsste und wie die Verhältnisse im steilen Gipfelhang in diesem schwierigen Lawinenwinter sein würden, entschloss sich Guide Thomas D, am Sonntag, den 22.03., auf die mindestens ebenso klassische Namloser Wetterspitze umzuplanen.
Die erste positive Überraschung erlebten er und seine fünf Teilnehmer, alle in einem Auto angereist, bereits am Parkplatz, denn von Beginn an konnte man mit nur kurzen Unterbrechungen mit den Skiern unter den Füßen loslaufen. Ein im wahrsten Sinne eindrückliches Bild bot sich uns dann an einem Stadel kurz vor der Fallerscheinalpe, der von einem geborstenen Baumstamm regelrecht aufgespießt war. Mitgebracht hatte diesen eine mächtige Grundlawine vom gegenüberliegenden Westhang, die den tiefen Taleinschnitt des Sommerbergbachs locker überwunden hatte. Ein überaus deutliches Mahnmal dieses prekären Lawinenwinters, der weit über die Faschingswoche hinaus dieses Tal für Skitouren zur Tabuzone gemacht hat. Bei Lawinenwarnstufe 2 war nun aber schon wieder ganz schön Betrieb und als Thomas im Talschluss den wunderbar unverspurten Osthang Richtung Sattele erspähte, war schnell beschlossen, einmal kurz nach rechts abzuzweigen, um uns 200 zusätzliche Abfahrtshöhenmeter abseits der eingefahrenen Hänge zu gönnen. Dieser Genuss setzte zusätzliche Glückshormone frei, die wir allerdings im weiteren Verlauf durchaus gebrauchen konnten, denn der steile Gipfelhang in schon merklich dünnerer Luft kostete einiges an Körnern.
Am Gipfel erlebten wir ein zum Glück nur kurzes Schneefallintermezzo, der wolkenlos blaue Himmel des Vormittags wollte sich dann aber auch nicht mehr zurückmelden, so dass wir bei der anspruchsvollen Abfahrt teils mit einer etwas diesigen Sicht zurechtkommen mussten. Der sehr guten Stimmung in unserer harmonischen Gruppe tat dies keinen Abbruch, gesteigert wurde sie noch, als wir uns an der Fallerscheinalpe gemütlich vor einer der Hütten nach 1500 Höhen- und Tiefenmetern der 7 stündigen Tour zusammensetzten – natürlich nicht ohne uns am dankenswerterweise für durstige Bergbesucher aufgestellten Kühlschrank bedient zu haben. Schön, dass die Kasse dafür auf Vertrauensbasis zu funktionieren scheint! Und ebenso schön, dass Thomas D. uns durch diesen erfüllten Bergtag mit gewohnt guter Laune souverän geführt hat!
Text: Michael Kölbel