Nach den üblichen Komplikationen und Wirrungen – Yolawo macht das nicht leichter – und einigen krankheitsbedingten kurzfristigen Ausfällen hatte sich doch eine Schar von 16 Tln und 3 Tourenleitern gefunden. Im Vorfeld war es nur möglich, ein geeignetes Quartier in den eher inneralpinen Regionen zu bekommen: Dies bedeutete, dass man mit eher niedriger Schneelage und sehr schlechter Altschneedecke zu rechnen hatte. Dafür war der Großschneefall der Vorwochen mit der extremen Lawinengefahr einigermaßen verdaut, und auf Sonnenseiten konnte man mit einigermaßen stabilen Schneedecke und Firnbedingungen rechnen, aber defensive Planung war trotzdem das Gebot der Stunde. Die Besatzungen von 4 gutgefüllten PKW trafen sich am Freitagmorgen an der Autobahnraststätte im Rheintal, dort wurde das erste Tourenziel beschlossen, und zwar in Davos Frauenkirch, zur den sanften Bergen über der Staffelalp (da gibt's ein paar Erinnerungen – die Oma mit der Rüblitorte - war ein Ausflugsziel unserer frühen Osterskittouren von Sertig aus.) siehe: Die Geschichte der Osterskitour
Der erste Tag: Wir hatten paar Verzögerungen bis die Autos durch Davos durch und dann in Frauenkirch parkiert waren, deswegen war dann der endgültige Start etwas verspätet. Über ein paar knapp schneebedeckte Wiesenwellen und vorbei an schönen Häusern gings es zum Ziehweg durch den Waldgürtel, wo dann prima Konversation gepflegt werden konnte, und dann schließlich raus zum frei liegenden Maiensäß der Staffelalp. Dort trennten wir die Gruppen, Toni und Manni weiter am Rücken Richtung Chörbschhorn, wir links kurz eben rein ins Stutzibachtal und auf den Rücken vom Stafler Berg. Die südausgerichteten Hänge zeigten sich angefirnt, aber nicht tief, aber so ganz trauten wir der Sache nicht und so erklärten beide Gruppen den Höhepunkt vor den potentiellen Gipfeln und machten sich an die Abfahrt. Belohnt wurden wir dann tatsächlich mit richtigem Skivergnügen bis zur Staffelalp. Wir verschmähten die
verlockende Gastronomie, bewältigten den Ziehweg, bevor die erste Steine freigeschabt wurden und hatten noch ein paar nette Wiesenhänge hinunter nach Frauenkirch. Von dort waren es noch 40 min Fahrt hinunter nach Tiefencastel und drüben rauf zum kleinen Weiler Mon, wo wir unser Touristenlager im alten Schulhaus beziehen konnten. Die übliche Kaffee- und Kochorgie beschloß einen entspannten und gelungenen ersten Tag. Auch das Verstärkungsauto war wohlbehalten eingetroffen und beteiligte sich bei der Küchenorgie - wir waren damit 19 Köpfe.
Der zweite Tag: Val Natons Eigentlich hatten wir uns die westseitigen Kare über der Alp Flix vorgenommen, (so ähnlich wie 2012 - http://www.wolfialpin3.de/html/rona_2013.html ) Aber schon bei der Fahrt nach Mulegns zeigte sich, dass hier die Schneelage wesentlich dürftiger war, als in der Gegend um Davos, die hatten hier wohl viel weniger vom Großschneefall der Vorwochen abbekommen, und so sahen die Hänge zur Alp Flix hinauf auch sehr grün aus.
Kurzfristig also anderer Plan. Weiter bis zum Stausee Marmorea, und tatsächlich, die kleine Waldschneise hinauf ins Val Natons war ausreichend schneebedeckt - und nicht ausgefahren. So konnten wir uns die Schneise hinaufspitzkehren und über die zwar löcherversehene Schneedecke des unteren Val Natons hinaufschlängeln, ohne Ski abnehmen zu müssen. Angesicht des wunderbaren Wetters verwarfen wir die Option, hier schon auf die Südseite zu wechseln, denn da wären die Ziele relativ niedrig geblieben. Stattdessen umgingen wir die kleine Klamm weiter ins hintere Tal auf der rechten Schattenseite - gelobt sei die Lokalkenntnis - siehe 2012-03-10 Gemeinschaftstour - Ostschweiz 2 - Quartier in Salouf bei Savognin und zogen erst dann links hinaus - auf die Mulden unterm Piz d´Agnel zu. Dazu hatten wir die Gruppe geteilt und nutzten 2 unterschiedliche Aufstiegsoptionen. Den Talhintergrund mit der nordexponierten Route zum hatten einige großräumige Schneebretter verunstaltet, eine Mahnung an das schlechte Schneedeckefundament aus dem Hochwinter. So waren wir froh, dass alle eher südwest ausgerichteten Expositionen davon nicht stark betroffen waren, wenn auch hier einige seltsame Sprünge und Kluften in der Schneedecke sichtbar waren. In der weitläufigen Schneelandschaft der oberen Mulden trafen dann die Gruppen wieder aufeinander und wir konnten auch ein machbares Tourenziel identifizieren, den Westsporn des Rückens, der vom Piz Agnel herunterkommt. Wir verkniffen uns den kleinen Gipfel und platzierten uns lieber auf einem schönen Grathöcker mit Paradeblick zum Piz Platte und Piz Forbesch, aus dem Saharadunst spitzte im Süden auch der Piz Badile hervor. Dann ging es an die Abfahrt, die durch perfekten Firn ziemlich rauschhaft schnell verlief und deswegen wenig dokumentiert wurde. Unten im Val Natons hatten wir eine Umgehung der Klamm ausgespäht, und so vermieden wir die kleinen Gegenanstiege, mussten allerdings mal ein paar schmale Schneestreifen zielgenau treffen, um dann das Tal hinauszuschwingen. Über die Schneise ging es dann nochmal enger und sportlich hinunter direkt an die Autos.
Der dritte Tag: Für Tag 3 hatten wir noch am Vorabend die Schneelage nah an unserem Haus erkundet, vom Nachbarort Stierva schien noch ein durchgehendes Schneeband hinaufzuziehen in die Alplandschaft unterm Feil. So starteten wir dann in Stierva bei schönem Morgenlicht mit der ganzen Meute über sanfte, aber schon etwas durchlöcherte Wiesenhänge - aber eine durchgehende Abfahrt schien gewährleistet. Bei der Maiensäß gab es eine geräumige Holzterrasse für alle. Die Gruppentrennung erfolgte erst kurz oberhalb bei den nächsten Alphütten. Mannis Werbung für seinen Vorgipfel mit Firngarantie verfing, so war meine Gipfelgruppe um Feil deutlich kleiner. Der nordostseitige Gipfelhang versprach dann auch eine Mischung aus Pulverresten und Harsch, dafür bot unser "Gipfel" einen schönen Ausblick zum Nachbar Piz Curvér und runter nach Andeer und den Piz Beverin über Mathon. Das kleine Seelein unterm Feil war durch eine größere Lawine aus den Hängen des Verbindungsgrats zum Curvér fast vollständig verschüttet. Nach kurzer Rast war unsere Gipfelhang gut fahrbar, dann suchten wir auch eher ostseitig ausgerichtete Wellen, auf denen es schon Firnvergnügen gab. Bei den Hütten vereinigten sich die Gruppen wieder und wir fanden noch lange, unverfahrene Firnhänge südlich der Aufstiegsroute, bevor es leicht holprig durch die Schneisen hinunterging. Aber auch hier hatte es schon gut angefirnt, so dass sich das Geholpere auf verspurten Untergrund auf kurze Passagen beschränkte, bevor die letzten Wiesen beschwingt nach Stierva hinunter leiteten. Danach gab es noch Kaffee und Restnudeln im Schulhaus zu Mon und eine flotte Putzaktion zur Hausübergabe, ein ziemlich gelungenes und entspanntes OS Wochenende fand sein Ende.