Skidurchquerung Allgäuer Alpen | © Matthias Heise

2 Tage zwischen stillen Tälern und luftigen Höhen

Gebietsdurchquerung auf Ski durch Allgäuer und Lechtaler Alpen

17.03.2026

Hindelang Busbahnhof 7.30 Uhr. Von hier geht’s los mit dem Auto nach Holzgau/ Warth, wo wir in Richtung Norden aufsteigen. Vor uns, der gr. Widderstein und in der Ferne, die Heimat, das Allgäu. Wir spuren zum Geißhorn hoch und nehmen, trotz wenig Schnee, den Gipfel mit. In vielen Kurven um Steine und Bäche geht’s hinab ins Rappenalptal. Von Firn über Tiefschnee bis hin zu fest gefrorenem Bruchharsch- alles mit dabei und echt nur was für fitte Leute, die wir zum Glück alle sind: 3 von uns trainieren in ihrer Freizeit für ein Skimo Everersting, andere sind selbst viel unterwegs und kennen das Gebiet auch schon aus der Vogelperspektiv, bei wieder anderen, scheint das Skitourengehen nur Nebensache zu sein, sie machen kalenderreife Bilder, auch mal in der Spitzkehre. Neben der Fitness war die Truppe zufällig auch sonst so homogen, dass unsere kleine Reise durch die Berge nicht nur landschaftlich bereichernd war. Der Aufstieg zur Rappenseehütte war schnell erledigt, der Winterraum bald schön warm, der erste Schnee geschmolzen für Nudelwasser und Tee. Die Everestler unter uns wollten natürlich nochmal ein paar Höhenmeter sammeln. Der Hang vor der Hütte, im letzten Abendlich mit unverspurtem Pulver war einfach zu verlockend und perfekt geeignet um die Tageshöhenmeter noch auf 2000 aufzurunden. Anschließend dann Winterraumidylle: Schneeschmelzen, Süppchen kochen, Trockenplatz ergattern, Lager herrichten, um den Ofen hocken und ein paar nette Geschichten austauschen.

Tag 2: Weckruf durch das Summen einer elektrischen Zahnbürste. Cool, denk ich mir, wo kann man an Packgewicht so viel einsparen, dass das Gewicht der Luxuszahnbürste ok ist? Ich dagegen habe sogar den Stil meiner Zahnbürste abgesägt, zugunsten einer Tafel Schokolade. Prioritäten setzen. Immer wichtig!
Und weil die Gruppe immer noch so super homogen war und alle die Sonne, die Tour, die first line da draußen wollten, waren wir ruck zuck auf den Ski, durch den LVS- Check und standen kurze Zeit später vor der kleinen Steinscharte. Darunter hatte sich, in Kegelform, verblasener Schnee abgelagert. Heiße Kiste in meinen Augen. Kristian, unser Guide, aber war recht entspannt und erklärte uns, warum man trotz der heiklen Bedingungen, den Schneekegel hoch gehen könne. Also los. Große Abstände, Spitzkehre für Spitzkehre, zu Sammelplatz 1: unterhalb eines Felsvorsprungs, dann zu Sammelplatz 2: in der Scharte, zu der wir uns alle mehr oder weniger hochgruben. Nach eiskalt kam sonnig warm. Nach 200 Höhenmeter rauf in 2 h folgten 200 hm runter in 2 min. Auf der sonnigen Seite angekommen, liegt vor uns das Höhenbachtal. Und nach einer traumhaften Abfahrt, waren alle wieder happy und euphorisiert.

Wir treffen auf drei fitte Österreicher, die zügig auf den Steinschartenkopf hochspuren. Wir, als Gipfelaspiranten, natürlich hinterher. Oben angekommen, der Blick zurück, auf das was hinter und vor uns liegt. Kurz innehalten und
genießen. Mit seiner peruanischen Strickmütze, die neben Sonnen – und Kälteschutz auch die Funktion des Helms erfüllt, ist Kristian unverkannt mit uns unterwegs. Unter den peruanischen Maschen behält er stets einen kühlen Kopf und erklärt uns anhand eines Schneeprofils die heikle Zusammensetzung der verschiedenen Schneeschichten. Eindringlich nehmen wir alle ein „Wumms“ Geräusch wahr, als wir einen flachen Bereich queren. Ein schauerlich schönes Erlebnis, das wieder die Sinne schärft.
Die Schneebedingungen sind ungünstig und wir entscheiden uns gegen eine weitere Gipfelbesteigung auf einen der umliegenden Gipfel wie Hoher Kasten oder Mädelegabel. Die Abfahrt hält aber auch noch allerhand für uns bereit: Eiskanalslalom durch Latschenkiefern, x -maliger Wechsel zischen Fahr- und Gehpassagen und die Querung einer Hängebrücke. Nicht schlecht für eine Abfahrt. Dank eines Skigebiets rutschen wir fast an den Kofferraum unserer Autos dran. Wohlbehalten, voller schöner Eindrücke und leuchtenden Augen, geht’s zurück nach Hause. Danke für die schöne Tour!

Bericht: Susi Reichert, Fotos: Susi Reichert, Matthias Gruse