Über I Läghett führte unser Weg hinauf zu unserem ersten Tagesziel, der Fornohütte.
Leider mussten wir uns bereits hier von Michael verabschieden. Ein ungeplanter Krankenhausaufenthalt in Chur machte es notwendig, dass er mit dem rot-weißen Rega-Helikopter ins Tal geflogen wurde.
14.09.2026 – Von der Fornohütte zur Albignahütte
Am Morgen nieselte es leicht. Für die erste Stunde hieß es daher: Regenausrüstung an!
Wir ließen uns davon allerdings nicht allzu sehr beeindrucken – im Gegensatz zu drei Schweizern, die uns drei Tage lang begleiteten. Auf die Frage, warum sie bei dem Wetter nicht einfach losgingen, kam der O-Ton:
„Wir sind esoterisch angehaucht und hören auf unsere Körper – wir trinken erst mal noch einen Kaffee.“
Unser Weg führte hinunter Richtung Zunge des Fornogletschers und anschließend hinauf zum Pass da la Casnil Sud. Oben angekommen, bot sich uns ein beeindruckender Blick auf den Piz Badile, den Cengalo und den Lägh da I`Albigna.
Nach dem Abstieg erreichten wir schließlich die Albignahütte, unser Tagesziel.
15.09.2026 – Gran Giro del Lago und Cacciabellapass
Am nächsten Morgen stiegen wir zunächst zum See hinunter und folgten auf der Südseite dem Weg – rechts herum, was offenbar nicht jeder auf Anhieb verstehen wollte. ;-)
Über den Gran Giro del Lago ging es knapp zur Hälfte um den See.
Während des Weges beschäftigte uns allerdings eine Frage ganz besonders:
Wo soll denn hier bitte ein Weg nach oben führen?
Zunächst war weit und breit keiner zu erkennen. Doch irgendwann war er gefunden, der Weg über Grasbänder und mit Ketten versicherten Platten hinauf zum Cacciabellapass.
Nach einer kurzen Rast folgte ein spektakulärer und anspruchsvoller Abstieg zur Sciorahütte in der Bondascagruppe – unserem Tagesziel.
Kulinarisch gab es hier eine Premiere: Auf der gesamten Tour war dies das einzige Abendessen mit Fleisch – Geschnetzeltes.
16.09.2026 – Von der Sciorahütte zur Capanna Sasc Furä
Am nächsten Morgen wurde jeder von uns unfreiwillig mit zusätzlichem „Ballast“ ausgestattet.
Der Versorgungshubschrauber hatte irrtümlich auch Waren, die eigentlich für die Capanna Sasc Furä bestimmt waren, an der Sciorahütte abgeladen.
Also hieß es: Rucksack auf und etwa ein bis eineinhalb Kilo mehr schleppen!
Unser Weg führte zunächst über vier Hängebrücken hinunter ins Tal. Dort überquerten wir die Bondasca über eine weitere Hängebrücke.
Anschließend ging es durch den Wald steil bergauf, teilweise sogar über einen Grat, bis wir schließlich die Capanna Sasc Furä erreichten.
Und das bereits kurz nach Mittag!
Nach den richtig guten Rösti nutzten wir den Nachmittag als kleinen „Erholungstag“.
Sonnenbaden auf der Terrasse, Ratschen und Spielen standen auf dem Programm. Sabine gönnte sich sogar ein Fußbad im Außenbecken.
Nach kurzer Zeit, wussten wir auch, für was die Eiswürfelbeutel, die sich in den von der letzten Hütte mitgebrachten Waren befanden, gebraucht wurden.
Empfehlung des Tages: Lavendel-Spritz!
Am späten Nachmittag begann es schließlich wieder zu regnen.
17.09.2026 – Trubinascapass und Val Codera
Wie jeden Tag war auch heute geplant, um 07:00 Uhr zu frühstücken.
Und wie jeden Tag war um 07:00 Uhr fast jeder bereits mit dem Frühstück fertig. So waren wir auch heute wieder vor 08:00 Uhr unterwegs.
Über einen vom Regen nassen und glitschigen Waldboden querten wir den Hang in Richtung Aufstieg zum Trubinascapass.
Schon während des Aufstiegs wurden wir mit einem grandiosen Ausblick auf die Nordkante des Piz Badile belohnt.
Die letzten etwa 100 Höhenmeter hatten es allerdings in sich. Sie waren anspruchsvoll und aufgrund der Nässe besonders fordernd.
Oben angekommen, erwartete uns ein wunderschöner, sonniger Rastplatz. Von hier aus konnten wir sogar das knallrote Bivacco Pedroni erkennen.
Hier nochmal einen besonderen Dank an Gernot und Sabine, für die leckeren Hartwürste und Tomaten, die sie extra vier Tage lang mitgetragen haben.
Und dann war Walters besondere Fähigkeit gefragt:
Walter, der Schuster – oder besser gesagt: MacGyver!
Mit Taschenmesser und einigen Kabelbindern reparierte er gemeinsam mit Gernot Janinas Schuh bzw. dessen Sohle. Eine echte Teamleistung!
Kurz, steil und knackig ging es anschließend vom Pass wieder hinunter.
Danach erwartete uns ein schier endlos langer, aber landschaftlich wunderschöner Abstieg durch das Val Codera.
Kurz vor dem Rifugio Brasca führte unser Weg noch durch einen traumhaften Märchenwald.
Glücklich und erschöpft genossen wir anschließend die Sonne, die grüne Wiese vor der Hütte, Kaffee und Kuchen – und natürlich das gute Bier.
18.09.2026 – Abstieg nach Novate Mezzola und Heimfahrt
Am letzten Morgen machten wir uns bei Nebel auf den Abstieg.
In Codera legten wir noch einen kurzen Kaffeestopp ein, nachdem unser Frühstück auf der Hütte -
Zwieback mit Marmelade, Nutella mit Zwieback – und auch der Kaffee war nicht gerade der Burner - kein kulinarisches Highlight war.
Nach etwa 3½ Stunden und rund 2.500 Stufen abwärts erreichten wir Novate Mezzola.
Dort belohnten wir uns mit einem gemeinsamen Pizzaessen.
Matthias hatte dabei selbstverständlich eine klare Vorstellung von seiner Pizza:
Pizza Diavola mit Extrazwiebeln. ;-)
Anschließend fuhren wir pünktlich mit dem Zug nach Chiavenna und von dort mit dem Linienbus zurück nach Maloja.
Nach einem kurzen Fußmarsch erreichten wir wieder unseren DAV-Bus.
Nach knapp dreieinhalb Stunden Fahrt waren wir schließlich wieder zuhause – müde, zufrieden und glücklich.
Fazit
Eine abwechslungsreiche, anspruchsvolle und wunderschöne Tour liegt hinter uns.
Der Sentiero Alpino Bregaglia hat uns mit beeindruckenden Landschaften, anspruchsvollen Auf- und Abstiegen, Gletschern, Pässen, Seen, Hängebrücken und traumhaften Ausblicken gefordert und gleichzeitig belohnt.
Besonders schön war der Zusammenhalt innerhalb der Gruppe – ob beim gemeinsamen Kämpfen mit dem Wetter, beim Tragen der zusätzlichen Hüttenlieferungen, bei der Schuhreparatur oder einfach beim gemeinsamen Ratschen, Spielen und Genießen.
Der ungeplante Abschied von Michael bereits am ersten Tag hat uns natürlich beschäftigt. Umso erleichterter waren wir, dass wir zwischendurch immer wieder die Nachricht bekamen, dass es ihm den Umständen entsprechend gut ging.
So konnten wir die Tour trotz dieses unerwarteten Ereignisses genießen und gemeinsam zu Ende bringen.
Danke an Matthias und Walter für die Organisation und Führung – und an alle für diese tolle gemeinsame Woche!
Eine Tour mit vielen Höhenmetern, vielen Stufen und Ketten, einigen nassen Schuhen, guten Rösti, Lavendel-Spritz, einer geretteten Schuhsohle und vor allem: viel guter Laune.
Sentiero Alpino Bregaglia 2026 – schön war’s!
Guides: Matthias und Walter
Teilnehmer: Sabine, Yvonne, Janina, Inge, Ursel, Michael, Gernot und Hans Jürgen
Bericht: Ursel und Hans Jürgen Löhr