Die Insekten scheinen für das Leben in den Bergen geschaffen zu sein. Sie sind nur drei bis sechs Millimeter groß, können Kälte ertragen und sind monatelanges Fasten gewohnt. Durchaus erstaunliche „Bergbewohner“, wenn da nicht ihr unstillbarer Durst nach Blut wäre.
Bettwanzen auf Alpenvereinshütten
Sie galten lange vielerorts als nahezu ausgerottet, seit einigen Jahren sind Bettwanzen weltweit jedoch wieder auf dem Vormarsch – und machen auch vor den Bergen nicht halt.
Sie waren schon immer Teil der Zivilisation und sind weltweit aufgrund von Resistenzen und eingeschränkten Bekämpfungsmethoden auf dem Vormarsch. Im Gepäck oder in getragener Kleidung der Gäste gelangen sie einfach und unbemerkt von einem Ort zum anderen. Ein Befall hat also nichts mit mangelnder Hygiene zu tun, er ist überall möglich. Dennoch bieten Berghütten mit viel Holz, verwinkelten Räumen und schwer zugänglichen Bereichen einen besonders günstigen Lebensraum und Rückzugsort für Bettwanzen.
Ausmaß des Bettwanzenbefalls – allgemein und auf DAV-Hütten
Da es keine gesetzliche Meldepflicht für Bettwanzenbefall gibt, ist es schwierig, ihre Verbreitung konkret zu beziffern. Ein Anhaltspunkt ist aber die in den vergangenen Jahren steigende Anfrage bei Schädlingsbekämpfer*innen. Beim Deutschen Alpenverein sind jährlich etwa fünfzehn bis zwanzig Hütten, also etwa fünf Prozent, von Bettwanzen betroffen. – Tendenz steigend, ähnlich wie bei Unterkünften im Tal.
Sobald auf einer Hütte ein Befall bestätigt wird, beginnt eine professionelle Bekämpfung. Danach folgt eine Monitoring-Phase, um sicherzustellen, dass sich keine Bettwanzen mehr im Gebäude befinden.
Gründe für die Zunahme der Fälle
Der Hauptgrund ist die weltweit steigende Mobilität: Bettwanzen reisen im Gepäck, in Schlafsäcken, Kleidung, anderen Textilien oder in Gegenständen mit – und erreichen so Unterkünfte und Verkehrsmittel unterschiedlichster Art (z. B. Hotels, Pensionen, Jugendherbergen, Bahn, Bus oder auch Flugzeuge). Die Entwicklung betrifft nicht nur Hütten, sondern Übernachtungsbetriebe weltweit.
Auch der globale Handel macht es Bettwanzen leicht, um die Welt zu reisen. Hinzu kommt: Gegenüber viele Jahrzehnte sehr wirksamen chemischen Schädlingsbekämpfungsmitteln haben Bettwanzen zunehmend Resistenzen entwickelt.
Warum Bettwanzen Berghütten lieben
Berghütten weisen einige Besonderheiten auf, die sie etwas anfälliger für Bettwanzen machen als klassische Unterkünfte im Tal:
- Hoher Holzanteil in Schlaf- und Aufenthaltsräumen (Bettwanzen finden in Holzritzen bessere Verstecke als auf glatten Oberflächen).
- Verwinkelte, schwer zugängliche Bereiche (z. B. unter Dachschrägen oder in alten Gemäuern).
- Eingeschränkte bauliche Präventionsmöglichkeiten (z. B. schwierigere Abdichtung von Ritzen oder regelmäßige Kontrollen in abgelegenen Lagen).
Dadurch gestalten sich Erkennen und Bekämpfung anspruchsvoller – doch mit gezielten Maßnahmen lässt sich das Risiko deutlich reduzieren.
Hintergrundinformationen
Bettwanzen sind nachtaktiv und verstecken sich tagsüber in kleinen Ritzen oder Spalten. Zu ihren bevorzugten Gemeinschaftsverstecken gehören: Bettgestell, Lattenrost und Wandverkleidungen, aber auch Lichtschalter, Steckdosen oder Scheuerleisten.
Ein frühzeitiges Erkennen ist wichtig, um eine Ausbreitung zu verhindern. Achte daher auf folgende Hinweise:
- kleine schwarze Punkte (Kotspuren) auf Matratzen, Bettgestellen oder Holzverkleidungen
- winzige Blutflecken auf Bettwäsche oder Schlafsäcken (durch das Zerdrücken der Tiere)
- Häutungsreste oder (tote) Tiere in Ritzen
- sichtbare Wanzen: etwa stecknadelgroß und größer, rotbraun, oval
- juckende Stiche in Reihen oder Gruppen (können, müssen aber kein sicherer Hinweis sein – auch Mücken oder Flohstiche ähneln diesen Spuren).
Wichtig: Bei Verdacht oder sichtbarem Befall sofort das Hüttenteam informieren, damit umgehend kontrolliert und – falls nötig – gehandelt werden kann.
Das Gute: Bettwanzen übertragen keine Krankheiten, ihre Stiche sind schmerzfrei. Der Speichel der Bettwanzen kann allerdings starken Juckreiz auslösen, manchmal auch mit roten Quaddeln oder Blasen. Die unangenehmen Symptome können bis zu zehn Tage und mitunter länger anhalten, die Beschwerden lassen sich aber mit kühlenden Gels oder juckreizmindernden Cremes behandeln. Zu starken Reaktionen, die ärztliche Begutachtung brauchen, kommt es nur sehr selten.
Gemeinsam gegen Bettwanzen: Kooperationen im Alpenraum
Gemeinsame Standards und enger Austausch
Bewährte Maßnahmen auf DAV-Hütten
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| Sofortige professionelle Bekämpfung bei einem bestätigten Befall, meist mit Insektiziden |
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| Wärmebehandlung bei Temperaturen ab 42°C, wo baulich möglich |
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| Freilegen und Reinigen von Rückzugsbereichen |
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| Monitoring über mehrere Wochen nach der Behandlung |
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| Regelmäßige Eigenkontrollen durch das Hüttenteam |
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| Schulungen für Mitarbeitende |
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| Dokumentierte Meldewege für Hüttenwirtsleute |
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| Materialwahl bei Umbauten (glatte, zugängliche Oberflächen reduzieren Rückzugsräume) |
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| Individuelle Präventionsmaßnahmen einführen und beachten (z. B. hinsichtlich Gepäckaufbewahrung, Mikrowelleneinsatz, etc.) |
Wie Hüttengäste zur Bettwanzen-Prävention beitragen können
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| gründliche Gepäckkontrolle vor und nach der Tour, idealerweise durch Ausschütten in Badewanne oder Dusche |
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| verschließbare Beutel für Rucksack bzw. Gepäckinhalt nutzen - sogenannte Bug Bags |
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| Rücksäcke nicht mit in die Schlafräume nehmen bzw. verschlossen in größtmöglicher Entfernung zum Schlafplatz lagern (z. B. an Kleiderhaken, auf Stühlen) |
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| Hüttenschlafsack und Kleidung regelmäßig waschen bei mindestens 40°C (besser 60°C) im längsten Waschprogramm mit viel Waschmittel |
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| nicht waschbare Gegenstände in der Tiefkühltruhe bei -18°C für drei Tage einfrieren |
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| hitzeunempfindliche Gegenstände im Backofen bei mind. 55°C eine Stunde erhitzen |
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| Verdachtsfälle sofort melden |
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| Präventionsmaßnahmen der jeweiligen Hütte beachten und umsetzen |
Ebenfalls gut zu wissen
Ganz klar: NEIN, Bettwanzen sind kein Hygieneproblem. Bettwanzenbefall kann jeden treffen – vom Privathaushalt bis zum Fünf-Sterne-Hotel. Hat man den Verdacht, von Bettwanzen betroffen zu sein, so sollten sie möglichst schnell durch einen Profi sicher erkannt, weiter lokalisiert und bekämpft werden, um eine Ausbreitung in benachbarten Räumen zu verhindern.
Vor allem Wanderrucksäcke sind ein geeignetes Transportmedium für Bettwanzen; so gelangen sie zwischen Hütten voran, aber auch von und zu Hotels, die als Ausgangs- oder Endstation bei Wanderungen dienen oder nach Hause.
Übernachten Reisende in befallenen Unterkünften, können sich einzelne Tiere in Rucksäcken oder Schlafsäcken verkriechen und auf diese Weise mitgenommen werden. Ein einziges befruchtetes Weibchen im Reisegepäck kann ausreichend sein, um in anderer Umgebung einen neuen Befall zu verursachen.
Es gibt keine Einschränkungen für Übernachtungsgäste: Bei der Behandlung durch Fachkundige kommen nur zertifizierte Biozide zum Einsatz, bei deren bestimmungsgemäßen Gebrauch keine Gesundheitsgefahr besteht.
Unterwegs mit Bettwanzenspürhund Linus
In der Monitoring Phase setzt man oft Hunde ein, da sie die Bettwanzen besser finden können. Mehr über das Monitoring erfahrt ihr in unserem Video "Unterwegs mit dem Bettwanzenspürhund Linus" auf dem Schneibsteinhaus, einer Alpenvereinshütte der DAV Sektion Berchtesgaden. Clara vom DAV spricht mit dem Hüttenwirt Stefan, der 1. Vorsitzenden der Sektion Berchtesgaden, Gabi, aber auch mit Hundeführerin Laura über die Situation und wie man Bettwanzen bekämpft.