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Viamala – Via Spluga

Auf alten Handelswegen unterwegs

21.08.2026

Schon zur Römerzeit gab es diese Verbindung von der Nordseite der Alpen nach Oberitalien. Es wird berichtet, dass von den Sonthofer Viehmärkten Rinder und Pferde über die Via Spluga bis nach Oberitalien getrieben wurden. In umgekehrter Richtung wurden Waren aller Art, Wein und Stoffe, Gewürze und anderes von Säumern und ihren Maultieren von Chiavenna nach Thusis transportiert. Und natürlich waren hier auch Bildungsreisende auf dem Weg nach Italien unterwegs. So ist z.B. von Goethe eine Zeichnung der schaurigen Viamala Schlucht überliefert.

1.Tag Thusis – Viamalaschlucht – Splügen

Bis zu 300 m hohe senkrechte Wände hat der Hinterrhein in den Fels gerissen und abgeschliffen. Teils auf Fußwegen, teils auf Schotterwegen, meist durch schattigen Wald und immer wieder mit atemberaubenden Tiefblicken in die wilde Schlucht gehen wir auf der Viamala entlang. Über schmale Hängebrücken und Stege, wie z. B. den Traversiner Steg, wechseln wir ein paarmal die Flussseite. Der Schweizer Ingenieur Jürg Conzett hat für seine eleganten Brückenkonstruktionen internationale Anerkennung bekommen.

Kultureller Höhepunkt ist in Zillis die 900 Jahre alte, bemalte Holzkassettendecke in der Kirche St. Martin.

Festlicher Höhepunkt ist am Abend Margaretas 70. Geburtstag im Gasthof Seeblick in Sufers. In Gedanken sind wir aber auch bei Ruth, die sich bei einem Sturz verletzt hat und die Tour abbrechen musste.

 

2. Tag Andeer – Splügen

Schon am Vortag haben wir die Käserei von Martin Bienerth besucht, der, aus Kempten vor Jahren ausgewandert, in Andeer erstklassigen Bergkäse herstellt. Durch Wald und Wiesen abseits der Hauptstraße kommen wir zur Rofflaschlucht, die Anfang des 20. Jh. von Christian Pitschen erschlossen wurde. Ein Auswanderer, der von den Niagarafällen begeistert war und nach seiner Rückkehr mit Sprengungen eine Felsengalerie durch die Schlucht angelegt hat. Noch heute privat betrieben, mit einem kleinen Museum und Gasthaus, kann die Schlucht für 5 sfr. besichtigt werden. Allerdings wurden die Sicherungen beim Hochwasser 2006 teilweise beschädigt und sind nur notdürftig repariert worden.

Übernachtung in Nufenen, in einer ehemaligen Unterkunft des Schweizer Heers, heute Gasthof Rheinwald.

 

3. Tag Splügen – Splügenpaß / Grenze – Isola

Durchs Alpenrosenparadies wandern wir auf die Paßhöhe 2114 m. Werfen einen amüsierten Blick auf die glänzend polierten roten und gelben Sportwagen und ihre graumelierten Fahrer, die uns ihrerseits stolz und amüsiert zulächeln.

Südseitig wandern wir durch Blumenwiesen hinab bis Montespluga, sitzen im Straßencafe bei einem ersten „echten“ Cappuccino, und schauen den Motorradlern zu, die Richtung Pass unterwegs sind und hier noch einen Stop machen. Durch die Cardinellaschlucht, einen weiteren ehemals kritischen Abschnitt der alten Handels- und Transitroute führt unser Weg weiter bergab Richtung Isola. Doch zuvor gibt es noch eine Pause bei Ornella und Artemisia in Rasdeglia. Camelia ist auf der Bank vor der Kirche mit den zwei alten Frauen ins Gespräch gekommen, die spontan die ganze Gruppe auf einen Café ins steingedeckte alte Haus von Ornella eingeladen haben. Heute ist der Weiler nur noch im Sommer und an den Wochenenden belebt, aber es werden die Häuser renoviert, und in den Gärten wächst Gemüse und blühen Rosen.

Botanischer Höhepunkt des Tages: eine Wiese voll weißer Paradieslilien, eine Besonderheit auf sonnigen, kalkhaltigen Hängen der Südalpen.

 

4. Tag Isola – Chiavenna

Ein weiterer Tag bergab, von 1268 m auf 333 m Höhe. Es ist jetzt richtig heiß, über 30°C, und wir sind froh, dass der Weg zum großen Teil im Wald verläuft. Wir sind immer in der Nähe des Flusses „Liro“, aber wegen großer Felsblöcke ist das Wasser unerreichbar für uns. Doch dann entdecken wir einen Seitenbach, der versteckt hinter Felsen und Gebüsch in einen großen Gumpen stürzt. Groß genug und tief genug um im kalten

Wasser zu schwimmen. Herrlich! Erfrischt und gut gelaunt kommen wir bald im Albergo Italosvizzero an. Wer mag, fährt mit dem Bus ins Zentrum von Chiavenna, wer noch Lust hat zu laufen, läuft die 3 Km. Am Rand der Berge gelegen, war Chiavenna früher Stützpunkt für Säumer, Schmuggler und Militär, bevor es den anstrengenden Weg den Splügen hinauf ging. Oder es war die erste Rast nach der mühsamen und gefährlichen Überquerung des Passes. Heute ein hübsches Städtchen, um in die kleinen Modegeschäfte zu schauen und köstliches italienisches Eis zu essen.

Abends auf der Terrasse des Italosvizzero genießen wir das erstklassige Menu mit Steinpilzrisotto, Bresaola, Kalbfleischröllchen und Pannacotta. Ein wunderbarer Abschluss einer wunderbaren Wanderung!

 

Dank an Margareta und Dagmar für Planung und Organisation und die täglichen Taxidienste mit den beiden DAV-Bussen.

15. – 20. Juni 2026

Leitung: Margareta Baumann, Dagmar Franz

Fotos: Teilnehmerinnen

Text: Maria Ritter