Kennst du den Moment, wenn du vom Gimpelhaus dem Wanderweg folgst und
nach dem ersten kleinen Anstieg am Fuße des Talkessels stehst, 180 Grad
um dich herum sind wunderschöne Felswände. Du schaust dich um und
entdeckst Gämsen die Free Solo mühelos durch die Wände klettern und
schwarz-weiße Ziegen die gekonnt am Steilhang grasen. Dann wirst du auf
einmal stutzig, da ist doch noch was in den Wänden. Bunte Punkte die
sich mal schnell mal langsam fortbewegen, dann hörst du es auf einmal
klirren Metall auf Metall und rufe "Stand", "Seil ein", "Seil aus",
"Nachkommen" ... und da wird dir klar, da klettern welche.
Als ich das erste Mal im Tannheimer Tal war konnte ich es erst nicht
glauben, diese Wände mit dem Seil hoch, das geht?! Eine
respekteinflößende und gleichzeitig aufregende Vorstellung und mir war
klar, das will ich auf jeden Fall auch können. Da kam der Grundkurs
Mehrseillängen klettern beim DAV genau richtig.
Am Sonntag den 09.08 ging es in kleiner aber feiner Runde los, wir
(Stefan, Janina, Gerald unser Kursleiter und ich) stiegen zum Gimpelhaus
auf. Dort angekommen wanderten wir nach einer kleinen Erfrischung und
dem gemeinsamen Material richten los zum Mehrseillängen-Übungsgelände.
Hier lernten wir von Gerald die Grundlagen des Mehrseillängenklettern.
Standplatzbau, sichern mit dem HMS, Abseilen, das weiche Auge ... und
erprobten das gelernte auf den ersten Metern am Fels. Nachmittags ging
es dann müde und mit dem Kopf voller neuem Wissen zurück zum Gimpelhaus.
Abends nach dem Essen erklärte Gerald uns noch die wichtigsten Punkte
bei der Tourenplanung und das richtige lesen der Topos, außerdem
besprachen wir die Tour für den nächsten Tag.
Am Montag den 10.08 ging es dann los zu unserer 1. Mehrseillänge - dem
Hüttengrad. Auf vier Seillängen mit dem Wind um die Ohren und
aufregender Gratkletterei kam schon erstes Alpinfeeling auf. Besonders
Spaß gemacht hat der Rückweg die Abseilpiste runter, wobei sich an der
ein oder anderen Stelle vor losen Steinen in Acht genommen werden
musste. Wieder zurück am Gimpelhaus nutzten wir den Nachmittag um unser
seiltechnisches Wissen mit Klemmknoten und Flaschenzug zu erweitern.
Wichtige Fähigkeiten um Seilpartner*innen in brenzligen Situationen zu
helfen. Abends wurde dann wieder die Tour für den nächsten Tag geplant.
Am Dienstag den 11.08 ging es dann weiter mit der 2. Mehrseillänge -
Till-An. Sehr empfehlenswert schlängelt sie sich acht Seillängen die
Wand hinauf. Platten auf Reibung treten, die ein oder andere ausgesetzte
Stelle und ein spannender Kamin machen sie zu einem schönen aber auch
aufregenden Vergnügen. Sind die Seillängen dann geschafft, warten gleich
mehrere Abseilpisten auf uns Absteigende. Die 1. Abseilpiste ist was
für Höhenbegeisterte, die ersten 20m ist nichts als Luft unter den
Füßen. Ein unbeschreibliches Gefühl, wenn man sich erst mal überwunden
hat. Nachdem wir alle wieder Boden statt Luft unter den Füßen hatten
stiegen wir über das Gimpelhaus zurück ins Tal ab und machten uns auf
den Weg nach Hause, am Mittwoch stand ein neues Klettergebiet auf dem
Programm.
Am Mittwoch den 12.08 ging es dann morgens los in das Klettergebiet
Nassereith. Dort versuchten wir uns an der Mehrseillänge Herbstsonne.
Die Route macht ihrem Namen mehr als alle Ehre, und in einer starken
Sommersonne wurden wir am Fels gerillt. Nicht nur die Sonne macht die
Route zu einem heißen Vergnügen. Heiß wurden auch die Füße, die mit viel
Reibung, über den meist positiven Fels bewegt werden mussten. Mit der
Herbstsonne endete dann auch der Mehrseillängenkurs. Der Kurs war eine
tolle Mischung aus guten Gesprächen, lustigen Sprüchen, Gelächter, viel
neuem Wissen und aufregender Kletterei. Vielen Dank an Gerald, Stefan
und Janina für die gemeinsame Zeit.
Wenn du zukünftig auch zu den bunten Punkten an den Felswänden des
Tannheimer Tals gehören möchtest, kann ich dir den Kurs nur empfehlen.
Bericht: Annalena Zunftmeister
Ausbilder: Gerald Franz